Der Geschichtsunterricht in den Jahrgangsstufen 11 und 12 löst sich vom genetisch-chronologischen Strukturierungskonzept der vorangegangenen Jahrgangsstufen und beinhaltet im Sinn eines wissenschaftspropädeutischen Zugriffs sowie einer vertieften historischen Bildung ein mehrperspektivisches, methodenorientiertes Arbeiten der Schüler an exemplarischen Themenbereichen, wie es für die Oberstufe des Gymnasiums kennzeichnend ist.
Die Ordnung der Lehrplanthemen orientiert sich an räumlichen Kategorien und geht vom „Nahen“ zum „Fernen“: Zunächst stehen Land und Region im Mittelpunkt des Unterrichts (11.1), danach Deutschland (11.2), Europa (12.1) und zuletzt außereuropäische und internationale Vorgänge (12.2). Jedem dieser vier Räume begegnen die Schüler in Verbindung mit Teilbereichen historischer Forschung:

  • Sozial- und wirtschaftsgeschichtliche Ansätze, verknüpft mit Fragestellungen der Historischen Anthropologie und der Kulturgeschichte, dominieren die landesgeschichtlichen Betrachtungen zu Beginn des Lehrgangs (11.1).
  • Politik- und Verfassungsgeschichte sowie mentalitätsgeschichtliche Untersuchungen zur Einstellung der Deutschen zu Demokratie und Diktatur prägen die Beschäftigung der Schüler mit der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts (11.2).
  • Den europäischen Raum betrachten sie aus geistes- und kulturgeschichtlicher Perspektive, indem sie wegweisende Ideen und Konzepte kennen lernen, die Europa geprägt und über Europa hinaus gewirkt haben (12.1).
  • Mit Methoden und Fragestellungen der internationalen Geschichte befassen sie sich am Ende des Lehrgangs (12.2).

Erneut begegnen die Schüler allen Epochen der Geschichte, lösen sich jedoch von einer rein kausalgenetischen Betrachtung der Vergangenheit und lernen mit Längsschnitten, Querschnitten, Vergleichen und problemorientierten Fallstudien anspruchsvolle und typische Verfahren historischer Forschung kennen. Sie greifen hierzu auf ein solides, in den Jahrgangsstufen 6 mit 10 aufgebautes Grundwissen zurück. Ihre Methodenkompetenz wird im Umgang mit anspruchsvollen, oberstufengemäßen Quellen und Darstellungen erweitert (v. a. Texte, Gemälde, Karikaturen, Plakate, Photographien, Karten, Diagramme und Statistiken).

Die Kooperation mit dem Fach Sozialkunde ermöglicht es den Schülern, die aktuellen Auswirkungen historischer Prozesse zu verstehen und so ihre historisch-politische Bildung zu vertiefen. Die in den Jahrgangsstufen 11 und 12 des Gymnasiums angebotenen Seminare bieten interessierten Schülern darüber hinaus die Möglichkeit, sich forschungsnah mit spezielleren, den Stoff des Lehrplans ergänzenden und vertiefenden Themen zu befassen.