In den Jahrgangsstufen 11 und 12 zeigen die Schüler zunehmend Interesse, die eigene Umwelt geistig-reflexiv zu durchdringen und zugleich ästhetisch zu gestalten. Die Entwicklung einer individuellen Bildsprache in dieser Phase erfordert vor allem das Erlernen unterschiedlicher Abbildungsverfahren, die reflektierte Entscheidung für ein jeweils angemessenes Medium und das Erproben von freiem und experimentellem Gestalten. Sie pendelt zwischen Veranschaulichen und Abbilden, persönlicher Aussage, formalen Übungen und freier Gestaltung. Reflexive und produktive Arbeit werden dabei als gleichwertige Prinzipien eines ganzheitlichen Erkenntnisprozesses gesehen.

Im Bereich Wahrnehmen untersuchen die Schüler ausgewählte Einzelwerke vorrangig der klassischen Moderne bis hin zu Beispielen der aktuellen Kunst und Alltagsästhetik. Sie begreifen so die Moderne als maßgebliche Epoche – auch für das heutige Kunst- und Wirklichkeitsverständnis. In der Werkanalyse erwerben sie die Fähigkeit, sich – in jedem Ausbildungsabschnitt möglichst auch vor Originalen – mit Werken der Kunst und der Alltagsästhetik auseinanderzusetzen. Sie erarbeiten sich auf der Basis der Formanalyse und der ikonologischen Methode Verfahren zur Analyse und Interpretation von Gestaltungen der Kunst und Alltagsästhetik. Die Auseinandersetzung mit Architektur, Städtebau und Kommunikation erfordert eine Ergänzung um technik- bzw. sozialgeschichtliche Ansätze sowie rezeptions- und produktionsästhetische Aspekte.

Die in der Werkanalyse gewonnenen Kenntnisse helfen, die grundlegenden epochalen Tendenzen der klassischen Moderne in ihrer Bedeutung für die Entwicklungen des 20. und 21. Jahrhunderts zu erschließen. Polaritäten, welche die meist in sich widersprüchlichen Tendenzen kennzeichnen, helfen, die Phänomene zu begreifen.

Im Bereich Gestalten werden die in den vorangegangenen Jahrgangsstufen erworbenen Kompetenzen ergänzt und vertieft, die technischen Medien werden in ihrer zunehmend wichtigen Funktion berücksichtigt und in Gestaltungsaufgaben eingebunden. In beiden Jahrgangsstufen ist die Führung eines Skizzenbuchs oder das Anlegen einer Mappe naheliegend. Nach Möglichkeit sind auch Methoden der Werkstattarbeit (z. B. bei Blockveranstaltungen oder Studienfahrten) einzubeziehen. Die Schüler werden angeleitet, eigene und fremde Arbeiten sensibel zu beurteilen. Sie werden ermutigt, selbständig zu arbeiten, gestalterische Mittel bewusst und zielgerichtet einzusetzen, um dabei auf Gegebenheiten und Probleme einfallsreich reagieren zu können. Der Lehrplan bietet vielfache Anknüpfungsmöglichkeiten für die Seminare.