Projekte & Fahrten

Wo Schüler Ganoven jagen und Flüchtlinge aus Tansanova verteidigen – Das Phoenix Theatre erneut zu Besuch am Jean-Paul-Gymnasium

Nach dem Erfolg des letzten Jahres gastierte das britische Phoenix Theatre am letzten Mittwoch erneut am Jean-Paul-Gymnasium. Dabei überzeugten Lydia May (21) und Rhys Whiteside (27) diesmal gleich mit zwei Theaterstücken.

Ab der zweiten Stunde hieß es für die Jahrgangsstufen fünf bis acht zunächst „Saddle Up“ – aufgesattelt – und man reiste gemeinsam zurück in den Wilden Westen, um Sheriff Ignatius Pertwee zu helfen, den gesetzlosen Wild Bill Jones und dessen unbedarften, aber doch auch irgendwie sympathischen Gehilfen Jethro Pumpernickel zu jagen. Mit witzigen Slapstick-Einlagen und dem ein oder anderen Ohrwurm führten die beiden Schauspieler, die insgesamt gleich sechs Rollen spielten, durch das unterhaltsame Musical und bezogen immer wieder die jungen Jean Paulaner in das Bühnengeschehen mit ein. Dass diese sich dabei glänzend unterhielten, verriet das laute Gelächter beispielsweise beim Versuch, den echten Cowboygang des Sheriffs oder die Tanzschritte der Saloondame Delila Dandy nachzuahmen. Zum Abschluss durften die Schüler dann jede Menge Fragen stellen, eine Chance, die selbst die Fünftklässler intensiv nutzten. Dabei interessierte natürlich vor allem, ob Lydia und Rhys denn ein Paar seien, was die beiden bejahten, womit sie einen regelrechten Sturm der Begeisterung hervorriefen.

Ein wenig ernster ging es dann ab der fünften Stunde bei den Schülern der Jahrgangsstufen neun bis zwölf zu. Auf Wunsch der Arbeitsgruppe „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, welche die Lehrkräfte an diesem Tag nach Leibeskräften unterstützte, wurde nun das Stück „Songs My Mother Taught Me“ aufgeführt, welches eindrucksvoll die derzeitige Flüchtlingsproblematik thematisiert. Sami, die aus Tansanova stammt, einem fiktiven Ort, an dem der Krieg Familien auseinanderreißt und Leben zerstört, flieht mit ihrem Vater nach England und trifft dort auf Craig, der sich schnell bereit erklärt, Sami zu helfen, sich möglichst schnell an die neue Umgebung zu gewöhnen. Bald schon stellen beide fest, dass sie trotz ihrer Herkunft aus völlig unterschiedlichen Kulturen, trotz ihrer unterschiedlichen Muttersprachen und grundsätzlich verschiedener Lebenserfahrungen am Ende eigentlich doch dieselben Hoffnungen und Träume teilen. Dass es allerdings auch Menschen gibt, denen diese Einsicht fehlt, denen es sowohl an Toleranz als auch an Empathie mangelt, zeigt sich, also Josh, ein Möchtergernrambo und Ignorant mit rechter Gesinnung, Sami angreift und ein Foto, das letzte Erinnerungsstück an ihre im Krieg getötete Mutter, blindwütig zerreißt. Doch Craig puzzelt später nicht nur das Foto wieder zusammen, sondern auch Samis zerbrochenes Herz, und das Stück endet mit einem liebevollen Lächeln und der Aussicht auf eine bessere Welt.

Auch im Anschluss an die zweite Inszenierung durften natürlich wieder Fragen gestellt werden, die diesmal freilich deutlich ernster waren, und so berichteten Lydia und Rhys beispielsweise vom Umgang ihrer Landsleute mit Flüchtlingen. Ebenso erklärten sie, dass der Inhalt des Stückes zwar erfunden sei, die einzelnen Begebenheiten jedoch eigene Erfahrungen widerspiegelten.

Am Ende bekam die Theatertruppe ein überaus positives Feedback von allen Seiten, gefolgt von einem donnernden Applaus, wobei auch die beiden Briten es sich nicht nehmen ließen, den Schülerinnen und Schülern des Jean-Paul-Gymnasiums ein Kompliment zu machen. Denn von deren Englischkenntnissen waren sie schließlich zu Recht mehr als beeindruckt.

Theaterluft am JPG

Rhianna und Joe als Romeo und Julia
Rhianna und Joe als Romeo und Julia

„Nach Gott hat Shakespeare am meisten geschaffen”, bemerkte bereits der französische Schriftsteller Alexandre Dumas anerkennend. Und vergegenwärtigt man sich die zahlreichen Theaterfiguren, die uns der englische Barde hinterlassen hat, so scheint es tatsächlich schwer möglich, dass ein anderer Schriftsteller William Shakespeare jemals übertreffen könnte. Ob Othello, Hamlet, König Lear oder Richard III. – Shakespeares Figuren sind auch heute noch von den großen internationalen Bühnen kaum wegzudenken. Dies war für die Englischfachschaft des Jean-Paul-Gymnasiums Grund genug, dem Autor, dessen Todestag sich am 23. April dieses Jahres zum 400. Mal jähren wird, zu gedenken.

Am späten Vormittag des 03.02.2016 versammelten sich daher die Schüler der zehnten und elften Jahrgangsstufen in der neuen Aula des Gymnasiums, um sich gemeinsam „Shakespeare’s Bottom or To the Bottom of Shakespeare“ anzusehen, ein englischsprachiges Theaterstück, dessen humoristischer Titel bereits zu Beginn der Aufführung für einiges Gelächter sorgte. Rhianna Compton und Joseph Glenny, die beiden Schauspieler des Phoenix Theatre, führten innerhalb der nächsten Stunde mit reichlich Witz, Charme und jeder Menge schauspielerischem Talent im Eiltempo durch die beiden Dramen „Romeo und Julia“ und „Macbeth“, und da es für beide Stücke freilich ein wenig an Figurenpersonal und Kulissen fehlte, wurde das zu Beginn sich noch ein wenig sträubende Publikum kurzerhand mit einbezogen. Schnell verwandelten sich mithilfe einfachster Requisiten einzelne Schülerinnen und Schüler in Amme und Mönch, Capulet und Montague, Löwe, Baum oder Mauer.

Zugegeben, Shakespeares Sprache, das Frühneuenglische, stellte anfangs schon eine kleine Herausforderung für die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe dar. Doch gelang es den Darstellern des Phoenix Theatre, durch humorvolle Erläuterungen, moderne Gesangseinlagen sowie zuweilen urkomische Gestik und Mimik Verständnisprobleme schnell zu beseitigen.

Am Ende standen Rhianna und Joe, wie sie sich den Schülern vorstellten, noch für Fragen zur Verfügung, mit denen sie dann auch gelöchert wurden. Dabei sollte dann nicht mehr nur Shakespeare im Mittelpunkt stehen, sondern auch das Privatleben der jungen Schauspieler, die bereitwillig von ihrer Ausbildung, ihren Erfahrungen mit deutscher Esskultur, ihren abenteuerlichen Erlebnissen bei anderen Schulaufführungen oder ihrer Liebe zur Queen berichteten.

Wir bedanken uns ganz herzlich für die tolle Inszenierung des Phoenix Theatre unter der Leitung von Kristi-Anne Seth und für die Geduld und Warmherzigkeit Rhianna Comptons und Joseph Glennys, die uns nicht nur Shakespeares Werk, sondern auch ihren englischen Humor näher brachten, und freuen uns auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr.

„Und ich gab euch alles!“

Unter diesem Motto lud das Theater Hof in dieser Spielzeit zur Tragödie „König Lear“ von William Shakespeare. Da Shakespeare auch ein Bestandteil des Lehrplan Englischs in der Oberstufe ist, entschieden die beiden unterrichtenden Lehrkräfte der Q11-Englischkurse, ihren Schülerinnen und Schülern dieses Werk nicht vorzuenthalten. Im Kurs beschäftigten sich alle intensiv mit dem Stück – natürlich in englischer Sprache – und versuchten die verschiedenen Ebenen und Themen des Werkes miteinander zu verknüpfen und auch auf das Heute zu beziehen. Behilflich dabei waren auch Nina Eichhorn, Theaterpädagogin am Theater Hof, und Kristoffer Keudel, Regieassistent und Schauspieler der Tragödie, die die Kurse im Unterricht besuchten und mit gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern einige prägnante Szenen schauspielerisch umsetzten. Es ist schon sehr illustrierend, wenn man sich selbst in die jeweiligen Rollen hineinversetzt und ganz individuelle Interpretationen findet. Ein herzlicher Dank an die beiden Theaterleute, die viel dazu beigetragen haben, dass die Teilnehmer der beiden Englischkurse die Aufführung im Theater als Abschluss einer intensiven Unterrichtsreihe verstehen und genießen konnten.

Füg / Kurek

London JPG-Studienfahrt 2014