Das Fach Griechisch

"Unter allen Völkerschaften haben die Griechen den Traum des Lebens am schönsten geträumt."
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Altgriechisch am Gymnasium

Das Gymnasium wird auch in Zukunft der Schultyp sein, der größtmögliche Allgemeinbildung als Basis für eine spätere Spezialisierung bietet; dabei kommt den Sprachen allgemein eine besondere Bedeutung zu: Das Erlernen möglichst vieler moderner Fremdsprachen kann die Menschen Europas auf kommunikativer Ebene zusammenführen, die Beschäftigung mit den Texten der altgriechischen Sprache aber erfordert einerseits Konzentration, Präzision, Kontinuität im Üben und Abstraktion – Qualifikationen, die in der Arbeitswelt der Zukunft weiterhin vonnöten sein werden -, andererseits vermittelt sie das gemeinsame kulturelle Erbe, in dem nach Auffassung des griechischen Philosophen Protagoras der Mensch das Maß aller Dinge war. Werteverfall und Orientierungslosigkeit sowie Entfremdung durch die moderne Medienwelt engen das Wesen des Menschen ein. Will man dem entgegenwirken, werden auch zukünftig humanistische Bildung und das Fach Altgriechisch ihren Beitrag dazu leisten können.

Eignung / Inhalte / Ziele

Eignung

Zur Orientierung über die Eignung können die Leistungen in Latein dienen: Bei gediegenen Ergebnissen in Latein ist auch im Griechischen mit Erfolg zu rechnen. Schwächere Leistungen müssen nicht ein Hinderungsgrund sein, da die im Griechischen gegebene Überschaubarkeit des Stoffes eine wirkliche Lernhilfe darstellt und häufige Wiederholung des Stoffes von Grund auf ermöglicht.
Geeignet ist besonders, wer Freude findet an der systematischen Entwicklung einer Sprache, an der gesetzmäßigen Formenbildung, an abstrahierendem Denken und an grundsätzlicher Fragestellung.
Angesprochen fühlen darf sich auch derjenige, der Zugang zu einer weiteren Fremdsprache und deren kulturellen Hintergrund über eine eher passive (d.h. durch eine individuelle Auseinandersetzung mit dem geschriebenen Wort gekennzeichnete) denn aktive (d.h. durch das gesprochene und zu schreibende Wort gekennzeichnete) Sprachbeherrschung finden will.

Inhalte

Im Zug der allgemeinen Schulreform und des G8 ist auch das Fach Griechisch in Methodik und Zielsetzung überdacht und neu gestaltet worden:

  1. Grundlage ist das zweibändige Unterrichtswerk „Kairos“ (8. und 9. Jahrgangsstufe).
  2. In den ersten beiden Jahren werden die Kenntnisse in der Grammatik erarbeitet und der Wortschatz eingeübt; die 10.   Jahrgangsstufe ist bereits der Beschäftigung mit der Lektüre gewidmet und bereitet inhaltlich und formal auf die Oberstufe vor.
  3. Der Grundwortschatz umfasst ca. 1.300 Wörter, die durch statistische Untersuchungen ausgewählt sind. Er ist von seltenen Vokabeln entlastet. Besonderer Wert wird auf Ableitung und Erklärung von Fremdwörtern gelegt.
  4. Der Grammatikunterricht kann in vielerlei Hinsicht auf Vorkenntnissen aus dem Lateinischen und Deutschen aufgebaut werden.
  5. Ziel des Unterrichts ist die Lektüre und die Interpretation.
  6. Die Schulaufgaben beschränken sich auf die Übersetzung vom Griechischen ins Deutsche und sind in der Regel zweigeteilt (d.h. zu einem kürzeren Übersetzungstext tritt ein Aufgabenteil mit Fragen zur Grammatik und zur griechischen Kultur und Geisteswelt).

Ziele

Natürlich wird Altgriechisch heute nicht mehr gesprochen (wenn es auch im Neugriechischen in der Schrift und im Wortschatz fortlebt, so dass es für das Erlernen der neugriechischen Sprache eine sehr hilfreiche Basis bildet). Die praktische Verwendbarkeit des Altgriechischen liegt aber eben nicht in der Verständigung, sie ist anders begründet:

  1. Wichtig erscheint die Fähigkeit, Fremdwörter im Deutschen und in den europäischen Sprachen abzuleiten, zu behalten und zu verstehen; dadurch gewinnen wir Sicherheit im Umgang mit Begriffen.
  2. In allen modernen Wissenschaften begegnet uns griechische Terminologie, denn die Griechen sind die Schöpfer aller wichtigen Wissenschaften und haben dafür eine Fachsprache entwickelt. Der Kenner der griechischen Sprache findet sich leichter in diesen Wissenschaften zurecht. Manche Studiengänge (Theologie, Klassische Philologie, Latein mit Beifach, Archäologie o.ä.) verlangten daher und verlangen heute Griechischkenntnisse (Graecum). Mit Kenntnissen in der griechischen Sprache stehen also alle Studienrichtungen offen. Zudem kann das Graecum als Nachweis über Kenntnisse in einer weiteren Fremdsprache dienen.
  3. Der eigentliche Wert des Griechischen ist tiefer zu sehen. Er liegt darin, dass die griechische Sprache den Zugang zur Literatur und der Philosophie der Griechen eröffnet. Die europäische Literatur bis in unsere Tage entwickelte sich in einer lebendigen Auseinandersetzung mit den Werken der Griechen. Daher erlaubt die Beschäftigung mit antiker Literatur ein vertieftes Verständnis der deutschen und europäischen Literatur.
  4. Die griechische Gedankenwelt gibt mannigfache Denkanstöße. Da in Griechenland das wissenschaftliche Denken Europas seinen Anfang nimmt (Entstehung der Philosophie, der Geschichtsschreibung, der Staatstheorie, der Mathematik, Physik, Medizin u.a.), wurden dort viele Fragen, die uns heute noch beschäftigen, zum ersten Mal in einfacher, aber prinzipieller Form gestellt (z.B. Schicksal und Freiheit, Individuum und Staat, Macht und Recht). In griechischer Sprache sind existentielle Probleme erstmals formuliert worden. Mit der Ursprünglichkeit und Unbefangenheit griechischen Fragens kann sich der junge Mensch besser identifizieren als mit fertigen Denkergebnissen späterer Epochen. Tatsächlich zeigen die Erfahrungen in den Griechisch-Kursen der Oberstufe, deren neugefasste Lehrpläne die geistesgeschichtlichen Entwicklungen besonders berücksichtigen, wie sehr die Ansätze der Griechen heute noch faszinieren, auch wenn und gerade weil ihre Problemlösungen nicht ohne weiteres übernommen werden können. Zugleich mit dem Einblick in die Grundlagen unserer Kultur erhält also der Schüler Anregungen zur eigenständigen geistigen Orientierung; beides dürfte sowohl im Hinblick auf ein späteres Studium (welcher Fachrichtung auch immer) als auch für die Persönlichkeitsbildung überhaupt ein nicht zu unterschätzender Gewinn sein.

Lehrplan

Genauere Informationen zum Fach Griechisch und zu den Inhalten der einzelnen Jahrgangsstufen können dem Lehrplan für die bayerischen Gymnasien entnommen werden.

Die unten stehenden Links führen zu den entsprechenden Seiten des Staatsinstituts für Schulqualität und Bildungsforschung München.