Der Lateinunterricht der Jahrgangsstufen 11 und 12 knüpft an bisherige Lektüreschwerpunkte an und ermöglicht den Schülern einen repräsentativen Überblick über wichtige Bereiche des literarischen Schaffens der Römer, in dem diese sich mit ihrer jeweiligen Lebenswirklichkeit auseinandersetzten und dabei unterschiedliche Haltungen und Wertvorstellungen zum Ausdruck brachten. Anhand grundlegender Themen lernen die jungen Erwachsenen die unterschiedlichen Sichtweisen einzelner Autoren kennen, gleichzeitig wird durch ergänzende Texte ihr Blick auf weitere, das Thema vertiefende Aspekte gelenkt. Dabei finden sie weitreichende Anregungen, sich mit philosophischen, ästhetischen, gesellschaftlichen und politischen Fragestellungen auseinanderzusetzen.

Sie lernen verschiedene Lösungsansätze kennen, die auch unabhängig von ihrem historischen Zusammenhang zeitlose Gültigkeit beanspruchen, und erhalten so Orientierungshilfen bei der Entwicklung eigener Standpunkte und Wertmaßstäbe. Die Beschäftigung mit zentralen Werken des europäischen Kulturkreises festigt in den Schülern die Erkenntnis, dass die lateinische Literatur in einem langen Traditionszusammenhang steht und bis heute in vielfältiger Weise das europäische Denken prägt.

Im Umgang mit anspruchsvollen lateinischen Texten steigern die Schüler ihre Übersetzungsfähigkeit und verfeinern ihre Techniken im Bereich der Textanalyse, der Sprachbetrachtung und des Übersetzungsvergleichs. Dadurch vertiefen sie auch ihre allgemeine Sprachkompetenz. Bei der Interpretation erarbeiten sie die jeweilige Autorintention unter Berücksichtigung der historischen, literarischen und biographischen Gegebenheiten. Immer wieder gewinnen sie die Einsicht, dass für ein unverfälschtes und nachhaltiges Verständnis der Texte die Beschäftigung mit dem lateinischen Original unerlässlich ist. Durch bewusstes methodisches Vorgehen, das auch die Einbeziehung von Ergebnissen der modernen Forschung mit einschließt, üben sie, z. B. auch im Rahmen der Seminare, an Projekten und teamorientierten Unterrichtsvorhaben verstärkt selbständiges wissenschaftliches Arbeiten.

In jedem der vier Themenblöcke stehen ein bis zwei Autoren bzw. Texte im Mittelpunkt. Zur Erweiterung der Perspektive soll aus den ergänzenden Texten wenigstens ein Beispiel herangezogen werden.

Die Lernbereiche Spracharbeit, Textarbeit sowie Methodisches und selbständiges Arbeiten gelten für beide Jahrgangsstufen.