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Förderung von Schülern mit Legasthenie

Jean-Paul-Gymnasium geht neue Wege

Schreiben Sechs, Lesen Sechs. Für viele Eltern bricht eine Welt zusammen, wenn sie feststellen, dass ihr an sich doch intelligentes Kind plötzlich Probleme in der Schule bekommt, nur ungern den Füller zur Hand nimmt und Bücher gänzlich meidet.

Tatsächlich haben allein in Bayern jedoch etwa 37.000 Schüler eine festgestellte Lese-Rechtschreibstörung und erhalten daher einen sogenannten Nachteilsausgleich sowie Notenschutz. Diese nehmen zunächst einmal den Druck, da die Lese- und Rechtschreibleistungen nicht mehr bewertet werden, die Kinder beispielsweise eine Schreibzeitverlängerung in Tests erhalten. Das eigentliche Problem lösen sie jedoch nicht.

Kinder mit einer Lese-Rechtschreibstörung haben zum Teil massive Probleme beim Lesen und Rechtschreiben, die sie meist auch ins Erwachsenenalter mitnehmen. Sie erfassen Texte deutlich langsamer als ihre Mitschüler, während es in ihren eigenen Aufsätzen vor Fehlern nur so wimmelt, sodass sie ungeübte Augen zuweilen nicht einmal mehr verstehen können. Als mögliche Ursache einer Legasthenie wurden genetische, aber auch neurobiologische Faktoren sowie Einflüsse der Umwelt beschrieben. Nicht selten ergeben sich auch Komorbitäten. LRS-Kinder leiden beispielsweise mitunter an Angststörungen, Depressionen, ADS oder ADHS, Störungen des Sozialverhaltens oder einer Rechenschwäche. Fast immer jedoch fehlt es ihnen an Selbstbewusstsein, sie haben Angst zu versagen. Das Jean-Paul-Gymnasium setzt es sich daher seit langem zu Ziel, Kinder und Jugendliche, die von einer derartigen Entwicklungsstörung betroffen sind, nachhaltig zu unterstützen, ihnen beim Erlernen der Schrift zu helfen, auch wenn dies eines deutlichen Mehraufwands, viel Geduld und häufig kreativer Wege bedarf.

Aus diesem Grund lud die Schulleitung am Dienstag, dem 16.10.2018, Ingrid Simonis vom Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie für eine interne Lehrerfortbildung ein. Frau Simonis, die selbst Mutter eines Legasthenikers ist, gab zunächst einen interessanten Einblick in aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse. Sie sprach über unterschiedliche Störungsbilder, mögliche Ursachen, unterschiedliche Diagnoseinstrumente sowie rechtliche Fragen. Noch bedeutsamer für die zahlreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Lehrerkollegiums war jedoch der zweite Abschnitt, in welchem Frau Simonis auf unterschiedliche konkrete Unterstützungsmaßnahmen einging. Vielleicht mag es für den einen oder anderen seltsam anmuten, wenn Lehrer für einzelne Schüler spezielle Arbeitsblätter erstellen mit größerer Schrift ohne Serifen, größeren Zeilen- und Buchstabenabständen und blauem Grund oder wenn sie ihre Freistunden damit verbringen, mit einem Schüler der Mittelstufe das Lesen zu üben. Am JPG macht man seit Jahren damit aber gute Erfahrungen. So mancher ehemaliger Jean-Paulaner mit einer LRS studiert inzwischen sogar. Von daher war man auch dankbar für die vielen neuen Tipps und Anregungen.

In Bälde möchte das Kollegium nun einen Arbeitskreis einrichten, bestehend aus Eltern betroffener Schüler und Lehrern, die diese persönlich unterstützen. Es geht darum, gemeinsam den Kindern und Jugendlichen dabei zu helfen, ihr Selbstvertrauen zurückzugewinnen und wieder auf die eigenen Stärken aufzubauen, um sie so in ihrem Lernprozess zu begleiten. Den bereits bestehenden engen Kontakt zwischen Eltern, Schülern und Lehrern am JPG sieht Schulleiter Stefan Klein dabei als wichtige Voraussetzung, damit dieser Dialog gelingen und Früchte tragen kann.


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