Aufruf vom 27. März 1919

Der Weg zur "Jean-Paul-Gedächtnisstiftung"

Am 27. März 1919 erschien im Hofer Anzeiger ein Aufruf, der sich an die Freunde und Gönner des humanistischen Gymnasiums richtete. Unter dem Schlagwort Einheitsschule versuchte der Staat Kosteneinsparung auf dem Bildungssektor zu erreichen. Die Verfasser des Aufrufes setzen sich vehement für die Erhaltung des humanistischen Gymnasiums ein:

Aufruf an die Freunde und Gönner des humanistischen Gymnasiums

Übergangszeiten wie die jetzige schaffen eine Welt ringender Kräfte. Auch die Schule ist Gegenstand des politischen und kulturellen Kampfes.

Das Schlagwort heißt Einheitsschule. Auch wir stehen auf dem Boden der Einheitsschule, die allen befähigten Volksgenossen ohne Unterschied des Standes eine bedingungslose Bildungsmöglichkeit gewährleistet. Aber mit dem selben Nachdruck treten wir ein für die Rechte des humanistischen Gymnasiums. Das humanistische Gymnasium ist nicht reaktionär oder veraltet.

Das Bildungsziel des humanistischen Gymnasiums ist an keine Zeit gebunden, es hat Ewigkeitswert wie die Statuen des Phidias und die Sinfonien Beethovens. Der Geist der humanistischen Bildung hat unser Volk groß und stark gemacht.

Wir stehen zeitgemäßen Reformen nicht ablehnend gegenüber. Wir fordern sie. Aber der Rahmen des humanistischen Gymnasiums muß erhalten bleiben um unseres Volkes willen. Das humanistische Gymnasium beseitigen hieße eine Quelle verschütten, aus der unserem deutschen Volk neues Leben auf geistigem und sittlichem Gebiet strömen soll. Wir brauchen diesen Born heute mehr denn je. Denn nur die geistigen und sittlichen Kräfte können unser Volk aus dem jetzigen Tiefstand wieder zur kulturellen Höhe emporführen.

Wir bitten alle Freunde und Gönner des humanistischen Gymnasiums, die sich mit unseren Zielen eins wissen, eine Zustimmungserklärung mündlich oder schriftlich an das Rektorat des humanistischen Gymnasiums gelangen zu lassen. Außerdem liegen noch Einzeichnungslisten in der „Gartengesellschaft“ und in der „Bürger-Gesellschaft“ auf.

Hof a. S., März 1919.

Für den Bayer. Gymnasiallehrerverein Ortgruppe Hof a. S.: Dr. Th. Weiß, Gymnasialprofessor.;

Für das humanistische Gymnasium: Dr. E. Knoll, Rektor.