Freie Vereinigung 1921

Freie Vereinigung 1921

Im Jahre 1921 bestand erneut die Gefahr der Auflösung des Jean-Paul-Gymnasiums, da man sich von Staatsseite für den Industriestandort Hof eher eine technisch ausgerichtete Oberrealschule wünschte. So wurde am 16. März 1921 eine „freie Vereinigung von Freunden des humanistischen Gymnasiums in Hof“ gegründet. Die Aktivitäten dieses Vereines lassen sich bis in das Jahr 1934 verfolgen, wobei immer wieder Hauptaufgabe war, für den Fortbestand des humanistischen Gymnasiums Hof zu kämpfen.

Am 17. März 1921 berichtete der HOFER ANZEIGER:

Hof, 17. März. Wie in anderen Orten hat sich gestern auch hier in Hof in einer Versammlung im „Luitpold“ eine freie Vereinigung von Freunden des humanistischen Gymnasiums gegründet. Herr Oberamtmann Wilhelm eröffnete die Versammlung und gab das Wort sofort an Herrn Oberstudiendirektor Dr. Schwab, der in anderthalbstündiger Rede für die Bedeutung der humanistischen Bildung eintrat gegenüber den Bestrebungen, wie sie auch im Reichsschulrate zu Tage treten, wo man auf eine „Verreichlichung“, wie das schöne Wort lautet, aller Bildungsanstalten, auf eine Zentralisierung hinstrebt und dem humanist. Gymnasium nur für die oberen Klassen eine gewisse Freiheit gewährt. Keine Kampfstellung wollen die Freunde der humanistischen Bildung einnehmen, es handelt sich um eine Verteidigungsstellung, um dem Gymnasium die ihm für die allgemeinen Bildungsideale gebührende Stellung gegenüber der nivellierenden rationalistischen Bildungswelle zu sichern.

Nicht so sehr um das Lateinische, sondern um die hohen Werte der griechischen Bildung handle es sich. Das Gymnasium soll nach wie vor als Schule für die Gelehrtenberufe usw. seine Berechtigung behalten. Von den Griechen haben wir alle Bildungsideale übernommen, die scharfe Logik, die wissenschaftliche Bildung, die Ideale, die den weiten Horizont schaffen. Mögen die realistischen Schulen sich nach der neuen Richtung entwickeln, dem humanist. Gymnasium soll man seine Stellung und Bedeutung lassen. Es ist aber Gefahr, daß die neuzeitlichen Bestrebungen hier empfindlich schädigend einwirken. Und unter den Städten, die für ihr humanist. Gymnasium besorgt sein müssen, befindet sich auch Hof.

Nicht die Lehrerschaft soll allein hiegegen eingreifen, sondern vor allem die Kreise aus der Einwohnerschaft, die eine human. Bildungsstätte der Stadt erhalten und durch Aufklärung in diesem Sinne wirken, Verständnis für die Bedeutung der Gymnasien erwecken sollen. Darum soll die Gründung einer Ortsgruppe der Vereinigung der Freunde der human. Gymnasien erfolgen. Die hochwissenschaftlichen und klaren überzeugenden Worte des verehrten Leiters des Gymnasiums fanden lebhaften Beifall. Herr Bürgermeister Dr. Buhl steht auf dem Boden der Bestrebungen, verkennt aber nicht, daß der Charakter von Hof als einer Industriestadt auf eine Oberrealschule hindränge, die natürlich auch manche Abwanderung vom humanistischen Gymnasium zur Folge haben wird. Sollte aber Gefahr einer Entvölkerung des Gymnasiums bestehen, so sei es Angelegenheit des Vereins, durch Aufklärung zu wirken, und er verspreche, daß der Staat sicher für die Erhaltung der humanist. Bildungsanstalt eintreten werde.

Es folgte nun die Verlesung des kurz gefaßten Vereinsstatuts, das im ganzen angenommen wurde. Der Mindestbeitrag wurde auf 3 Mark festgesetzt.

Zum 1. Vorsitzenden wurde Herr Oberamtmann Wilhelm gewählt, zum 2. Vorsitzenden Herr Hofrat Dr. med. Hermann Theile, zum Schriftführer Herr Studienprofessor Dr. Friedrich Ebert, zum Kassenwart Herr Fabrikant und Fabrikbesitzer Julius Hofmann. Der Ausschuß besteht aus den Herren Bürgermeister Dr. Buhl, Oberstudiendirektor Dr. Schwab, Dekan Nürnberger, Hauptlehrer Rosenbusch, Chefredakteur Franz Büchl.

Mit den besten Wünschen für ein gesegnetes Wirken der Vereinigung wurde die Versammlung geschlossen.