Exkursion des P-Seminars Latein an den Golf von Neapel

Im Rahmen des P-Seminars Latein „Der Golf von Neapel“ begaben wir uns auf eine Studienfahrt nach Neapel, um u.a. einen Reiseführer über den Golf von Neapel zu erstellen. Dieser aufregende und ereignisreiche Trip schien zunächst unter keinem guten Stern zu stehen, denn nur drei Tage zuvor wurde der Flughafen München bestreikt. Zudem befürchteten wir, dass unser Flug durch die Aktivität des isländischen Vulkans Bardabunga beeinträchtigt werden könnte, denn vor ein paar Jahren sorgte ein anderer isländischer Vulkan bereits für Chaos im europäischen Luftraum. Trotz aller Befürchtungen verlief die Reise völlig problemlos und der anstehende Start ins neue Schuljahr konnte zumindest um ein paar Tage, die wir in der mediterranen Sonne genießen durften, verschoben werden.
 

Sonntag, 14.09.2014
An unserem ersten Tag in Neapel erkundeten wir die Stadt zu Fuß. Damit wir die kühleren Morgenstunden auch voll nutzen konnten, klingelte der Wecker bereits um 6:30 Uhr. Nach einem kräftigenden Frühstück auf der Dachterrasse des Hotels, die eine wunderbare Sicht auf den Golf und den alles überragenden Vesuv bietet, ging es dann gleich los in Richtung Via Tribunali. Obwohl sie nur einige wenige Meter breit ist und gerade Platz für ein Auto bietet, stellt diese Straße die Hauptachse des Centro Storico dar. Dementsprechend war auch der dort herrschende Verkehr für uns ordnungsverliebte Deutsche erst einmal gewöhnungsbedürftig. Nachdem wir also die Via Tribunali ein gutes Stück entlang marschiert waren, gelangten wir zum Dom der Stadt. Dieser beherbergt drei Kirchen in einem Komplex, sehr sehenswert! Anschließend statteten wir dem berühmten Nationalmuseum einen Besuch ab. Dieses verfügt, neben unzähligen Fresken und Statuen, über das weltberühmte Originalmosaik der Alexanderschlacht aus Pompeji, zusammengesetzt aus 1,5 Millionen Steinchen.
Danach ging es gleich auf den Vomero-Hügel, der hoch über der Stadt thront. Dort hinauf gelangten wir mit der "Funiculare", einer Art Seilbahn. Auf das sich dort befindende Kastell und die dazugehörige Kapelle konnten wir nur einen Blick von außen werfen, umso grandioser war aber die Sicht auf die sich vor uns ausbreitende Stadt und den Golf.

Als wir uns am Abend mitten in der Altstadt eine wohlverdiente Pizza Napoli gönnten, hatten wir bestimmt eine Strecke von 20 Kilometern zurückgelegt und dabei  viele Eindrücke von Neapel gewonnen.

Montag, 15.09.2014
Am Montagmorgen machten wir uns mit der Circumvesuviana-Bahn auf den Weg in das beschauliche Städtchen Ercolano. Die Ausgrabungsstätte Herculaneum liegt zu Fuß lediglich zehn Minuten vom Bahnhof entfernt. Dort konnten wir zahlreiche römische Bauten besichtigen, welche aufgrund einer Verschüttung durch eine pyroklastische Schlammlawine gut erhalten sind.

Nach der Besichtigung fuhren wir mit zwei Großraumtaxis hinauf zum Vesuv. Obwohl sich die Fahrt aufgrund des temperamentvollen Fahrstils recht rasant gestaltete, überstanden wir sie alle unversehrt. Es entfernte uns ein nur noch 20-minütiger Aufstieg von dem atemberaubenden Blick in den Krater des gefährlichsten Vulkans von Europa, in dem an mehreren Stellen bedrohlich wirkende Fumarolen aufstiegen.  Die Circumvesuviana-Bahn brachte uns am Abend zurück nach Neapel.

Dienstag, 16.09.2014
Der Dienstag führte uns nach Paestum, eine ehemalige griechische Handelskolonie südlich von Neapel, die 700 v. Chr. unter dem Namen „Poseidonia“ gegründet wurde. 274 v. Chr. wurde die Stadt zu einer römischen Veteranenkolonie und heißt seitdem „Paestum“. Das Ruinengelände ist von drei hervorragend  erhaltenen griechischen Tempeln geprägt. Unser Rundgang begann beim  Athena-Tempel, auch als Cerestempel bekannt. Danach begaben wir uns über das Forum zum Hera-Tempel, auch Basilika genannt. Dieser gilt als  größter Steintempel seiner Zeit und stellt den ältesten Sakralbau der Anlage dar. Im Anschluss daran besichtigten wir den Poseidon-Tempel, den am besten erhaltenen Tempel außerhalb Griechenlands.

Nach dem Rundgang sahen wir uns im Museum um und besichtigten viele Fundstücke von Ausgrabungen aus Paestum, unter anderem antike Öllampen, Grabbeigaben und kunstvoll gestaltete sogenannte Kastengräber. Dort befindet sich auch die berühmte „Tomba di Tuffatore“ (dt.: „Grab des Tauchers“), die Schiller zu seiner Ballade „Der Taucher“ inspiriert haben soll. Als wir nach unserem abschließenden Museumsbesuch mit der Regionalbahn zurück zum Garibaldiplatz in Neapel fuhren, wurde uns deutlich, warum Herr Scheder immer wieder betont hatte, sehr aufmerksam auf unsere Wertsachen zu achten. Einem Fahrgast, der direkt neben uns saß, wurde das Smartphone aus der Hand gerissen und der Dieb floh sekundenschnell aus dem Zug.

Mittwoch, 17.09.2014
Zielort unseres Ausflugs am Mittwoch war die Stadt Pozzuoli. Nach einer Stunde Zugfahrt mit der Metro und 15 Minuten Fußmarsch erreichten wir den Vulkan Solfatara. Dieser ist neben dem Vesuv der gefährlichste und aktivste Vulkan am Golf von Neapel, wenngleich er sich, fast ebenerdig, als ganz anderer Vulkantyp präsentiert.

Nach der Besichtigung der für diesen Vulkan charakteristischen dampfenden Fumarolen  und heißen Schwefelseen  im  Krater begaben wir uns zum Tempio di Serapide, einem kleinen archäologischen Park mitten in der Stadt Pozzuoli gelegen. Mit seinen antiken Säulen gilt der Park als Gradmesser und „Thermometer“ der permanenten vulkanischen Aktivitäten im Bereich des Golfes von Neapel. Im Verlaufe der letzten 2000 Jahre veränderte sich nämlich die Meereshöhe mehrfach.  Zu sehen ist dies an den Säulen des Tempels, die heute im Trockenen stehen. Muschelablagerungen an den Säulen beweisen jedoch, dass der Tempel viele Jahre von Meerwasser umspült war. Am frühen Nachmittag besichtigten wir die Arena und die unterirdischen Gänge des Flavischen Amphitheaters von Pozzuoli,  welches das drittgrößte im Römischen Reich war. Auch Goethe schrieb in seiner Italienischen Reise über dieses gewaltige Baudenkmal. Mit vielen neuen Eindrücken erreichten wir abends unser Hotel.

Donnerstag, 18.09.2014
Wieder einmal startete der Tag mit einer Fahrt in der Circumvesuviana-Bahn, diesmal nach Pompeji, einem absoluten  Highlight unserer Reise. Wir betraten die Stadt durch den Hintereingang, wo uns sogleich die einmalige Pracht Pompejis beeindruckte, mit einem der besterhaltenen Amphitheater der Antike. Nach dessen  Besichtigung gelangten wir in den Garten der Fliehenden, in dem die durch Asche konservierten Leichname flüchtender Pompejianer liegen. Ein wahrhaft bedrückender Anblick!

Antike Vorläufer des modernen Fast-Food-Restaurants  finden  sich an fast jeder Ecke der Stadt, nämlich die sog.  Thermopolien, in welchen vor knapp 2000 Jahren Speisen zubereitet und direkt auf die Hand verkauft wurden.
Beim Rundgang über das „Herz“ Pompejis, das Forum, beeindruckten uns  die Überreste der dort gelegenen Markthalle  und des Jupitertempels.
Der Reichtum der Pompejianer, der vor allem durch regen Handel im gesamten Mittelmeerraum zustande kam, zeigt sich ganz besonders in der größten Villa der Stadt, dem Haus des Faun, welches seinen Namen einer bronzenen Statue eines Fauns im Atrium verdankt und das außerdem große Berühmtheit durch das dort gefundene Alexander-Mosaik erlangte,  das wir im Original bereits am Sonntag im Museum bewundert hatten.
Nach der Besichtigung weiterer Sehenswürdigkeiten des antiken Pompeji erreichten wir nach einem kurzen Spaziergang die Villa der Mysterien, am Rande der Ausgrabungen gelegen. Ihr Name gründet auf sehr gut erhaltenen mystischen Wandmalereien.
Als krönenden Abschluss unseres Tages in Pompeji genossen wir das Panorama vom Kirchturm der modernen Stadt aus  und verbrachten unseren wohlverdienten Feierabend in den Straßen des lauschigen Städtchens.

Freitag, 19.09.2014
Am Freitag stand auch schon unsere letzte Exkursion der Woche auf dem Programm. Unser Zielbahnhof der Circumvesuviana-Fahrt war zunächst der Vorort Torre Annunziata. Nach einem kurzen Spaziergang durch den Ort erreichten wir die riesige Anlage der römischen Villa Oplontis. Die Villa ist vor allem für ihre gigantische Größe und die besonders gut erhaltenen Wandmalereien bekannt.

Gegen Mittag entschieden wir uns spontan, den Nachmittag in Sorrent zu verbringen. Dort hatten wir Zeit zur freien Verfügung und besichtigten die Stadt in Kleingruppen auf eigene Faust. Nach einem leckeren Mittagessen in einem italienischen Restaurant bummelten wir durch die touristischen Gassen mit ihren zahlreichen Läden. Am Nachmittag fuhren wir schließlich ein letztes Mal mit der Circumvesuviana zurück nach Neapel.

Samstag, 20.09.2014
Am Samstag um drei Uhr morgens wurden wir durch die Rezeption des Hotels geweckt. Eine Stunde später teilten wir uns in Kleingruppen auf und fuhren nach einem schnellen Check-out mit Taxis zum Flughafen. Nachdem man sich mit den geschäftstüchtigen napolitanischen Taxifahrern nach recht langwierigen Verhandlungen auf einen akzeptablen Preis geeinigt hatte, traten wir also die Rückfahrt zum Flughafen an. Auch diese Taxifahrt gestaltete sich sehr abenteuerlich.  Nach der Gepäckaufgabe und pünktlichem Check-in startete das Flugzeug und wir sahen den Vesuv im Licht der aufgehenden Sonne  verschwinden. Den Rückflug empfanden wir - verglichen mit dem Hinflug – als ruhiger und angenehmer. In München gelandet, fuhren wir mit dem Shuttlebus nach Freising und von dort aus mit der Bahn nach Hof. Dort empfanden wir nach einer sehr ereignisreichen Woche in Italien eine gewisse Erleichterung darüber, wieder zu Hause zu sein,  nachdem wir alle eine sehr schöne Reise mit unseren Mitschülern und Lehrern, Herrn und Frau Scheder und Herrn Dr. Schönemann, erleben durften.

Da die Stadt Neapel eine Großstadt mit den üblichen Risiken und Gefahren ist, ergriffen wir verschiedene Maßnahmen, um unsere Wertsachen vor Diebstählen zu schützen. Der erste Schritt bestand darin, unser Bargeld sowie Kreditkarten und Ausweise nicht komplett im Geldbeutel aufzubewahren, sondern den Großteil im Hotelsafe zu deponieren, sodass im Falle eines Diebstahles nicht sämtliche Wertgegenstände verloren gewesen wären. Außerdem wurde allen Kursteilnehmern angeraten, sich einen Geldgürtel oder dergleichen zuzulegen, da dieser für Taschendiebe nur schlecht erreichbar ist. Die wichtigste Maßnahme aber war die Vorsicht, die wir stets walten ließen. Gemäß dem Sprichwort „Gelegenheit macht Diebe“ versuchten wir, keinem eine Gelegenheit zu bieten. Hierzu zählten besondere Wachsamkeit an belebten Plätzen wie der U-Bahn, das Zusammenbleiben in der Gruppe und jeglichen Aufenthalt an suspekten Orten, vor allem in den Abendstunden, zu vermeiden. Unter Berücksichtigung dieser Sicherheitsmaßnahmen ist es uns gelungen, unsere Neapelfahrt ohne jeden Diebstahl oder ein anderes Missgeschick durchzuführen.

Bleibt noch zu sagen, dass uns die Fahrt mit einer Fülle an neuen Erfahrungen bereichert hat. Neben den vielen Eindrücken, die wir bei Besichtigungen oder durch die Vorträge unserer Mitschüler gewonnen haben, lernten wir auch viel über das Planen und das Durchführen einer Reise sowie das Verhalten in einer ausländischen Großstadt. Somit wurde eines der Hauptziele des P-Seminars, nämlich die Planung und Durchführung einer wissenschaftlichen Exkursion, voll erreicht.

Verfasser: P-Seminar Latein