Klassenzimmer unter Segeln

Martin Valentin (10a) nimmt an dem Projekt "Klassenzimmer unter Segeln" teil.

Weitere Informationen finden Sie unter: Klassenzimmer unter Segeln

Classroom under Sail – ein Jahr Erlebnisse auf hoher See

Nach meiner Zusage für das KUS-Projekt im Juni 2014 ging es mit den anderen Teilnehmern am 14. Oktober zur Werftzeit nach Kiel. Wir verproviantierten und malerten vier Tage lang, damit unser Schiff, die „Thor Heyerdahl“ zum Auslaufen bereit ist. Am 18. Oktober war es dann soweit. Wir legten nach der Verabschiedung von den Eltern und Bekannten um 11 Uhr von der Schwentine in Kiel ab und unser großes Abenteuer begann. Anfangs bekamen wir Segeltraining in der Ostsee, danach folgten der Nord-Ostsee Kanal und der englische Kanal. Die erste Etappe diente vor allem dazu, sich mit dem neuen Zuhause, dem 50 Meter langen und nur sechs Meter breiten Traditionssegelschiff, vertraut zu machen und in der Wache, die wir täglich sechs Stunden gingen, mehr über die Segeltheorie kennenzulernen. In Falmouth (England) war unser erster und unplanmäßiger Halt, da wir auf bessere Winde warten mussten. Nach einem kurzen Aufenthalt in dem schönen Hafenstädtchen setzten wir dann unsere Reise fort und ein Großteil der Besatzung war seekrank. Wir befanden uns nämlich nun in der Biscaya, die für schlechtes Wetter und bis zu sechs Meter hohe Wellen bekannt ist.

Mitte November war es dann aber soweit und wir liefen im Hafen von Santa Cruz, der Hauptstadt von Teneriffa, ein. In Teneriffa standen die Besteigung des höchsten Berg Spaniens, dem Teide, die Besichtigung des „Thor Heyerdahl“-Museums mit der Witwe des großen Seefahrers Heyerdahl und viel Freizeit in der Hauptstadt an. Die Besteigung des Teides sollte sich im Rückblick als schwerster Weg zum höchsten Gipfel der von uns besuchten Länder erweisen.

Nach einer Woche waren wir dann bereit für die 24-tägige Atlantiküberfahrt in die Neue Welt. Mit dieser Etappe begannen sowohl der Unterricht als auch die Praktika. Wir 34 Schüler wurden in zwei Gruppen eingeteilt und eine Gruppe hatte an einem Tag Unterricht, während die andere Gruppe für Wache und Reinschiff sorgte. Diese Gruppen wechselten sich jeden Tag ab. Auf dem Atlantik habe ich auch mein Bootsmannspraktikum absolviert. In dieser Zeit schlug ich mit unserem Bootsmann Simon zum Beispiel ein Leesegel an. Der wohl schönste Tag dieser Überfahrt war, als uns für vier Stunden ein riesiger Finnwal begleitete und neben der „Thor“ schwamm. Für die meisten von uns war es das erste Mal, einen Wal zu sehen. Zum Nikolaus war es dann soweit und wir erreichten die Karibik und ankerten vor vielen Inseln, wie Palm Island, Union Island, den Tobago Cays und Cays Hollandes. Dort erkundeten wir die kleinen Inseln und schnorchelten lange Zeit, um das Riff kennenzulernen. Im Gegensatz zu den Schülern in Deutschland hatten wir dort alternativ Ferien, welche als „Schnobataso“, also der Abkürzung aus Schnorcheln, Baden, Tauchen und Sonnen bezeichnet wurden, jedoch um einiges kürzer waren. Auf den Tobago Cays hielt ich auch mein Referat über das Thema „Symbiose im Riff“, mit anschließendem anschaulichen Unterricht vor Ort im Riff. Ein Highlight der Karibik war auch die Schatzsuche auf der Insel, auf welcher „Fluch der Karibik“ gedreht wurde.

Unser nächster Halt war der Luxus-Hafen in Grenada, wo wir ein paar Tage lagen, um Schiffsarbeiten zu machen und neu zu verproviantieren. Eine Woche später waren wir dann bereits im Gebiet der Kuna-Indianer und übernachteten zum Teil auf einsamen Inseln oder spielten in Nalunega mit den Kindern. Hierbei konnten wir erleben, wie glücklich die Kleinen ohne den Luxus waren, den Kinder in Deutschland kennen.

Nun begann unser erster großer Landaufenthalt in Panama. Wir besuchten Miguel mitten im Regenwald, um dort mehr über exotische Tiere und den bedrohten Wald kennenzulernen, erkundeten zwei Tage die Hauptstadt Panama City, besuchten eine Woche panamaische Gastfamilien und die Sprachschule in Boquete, bestiegen den höchsten Berg Panamas, den Barú, von dem wir sowohl den Atlantik, als auch den Pazifik sehen konnten und besuchten ebenfalls noch einen weiteren Indianerstamm, die Nasos. Bei diesen wurden wir durch einen Nationalpark geführt und durften das Leben dieser Indianer für drei Tage miterleben.

Nach insgesamt drei Wochen in Panama segelten wir nach Kuba. Dort fand unser zweiter großer Landaufenthalt statt. Von Maria la Gorda, einem wunderschönen Strand mit türkisblauem Wasser, starteten wir unsere über 200 Kilometer lange Fahrradtour bis nach Pinar del Rio. Dort besuchten wir für ein paar Tage die Hochbegabtenschule und fuhren dann weiter nach Viñales, dem Haupttabakanbaugebiet Kubas, wo wir viel über den Anbau und die Produktion von Tabak kennenlernten. Anschließend erkundeten wir in Kleingruppen verschiedene Städte Kubas, wie zum Beispiel Mantanzas, Santa Clara, Cienfuegos, Holguin und Santiago de Cuba. Dort lernten wir, durch Kontakt zu den Einwohnern, das Leben der Kubaner besser kennen. Die letzten drei Tage des Kuba-Aufenthaltes verbrachten wir in der Hauptstadt Havanna, wo wir das José Martí-Denkmal im Zentrum der Stadt besuchten und die Stadt erkundeten. Jedoch haben wir den Smog als Europäer so schlecht vertragen, dass wir aufgrund von vielen Krankheitsfällen einen Tag später als geplant die Marina Hemingway in der Nähe von Havanna verließen.

Unsere folgende zweiwöchige Weiterfahrt führte direkt an den Bahamas und Miami vorbei, wo wir die Skyline genießen konnten. Nun war es soweit: Die härteste Zeit stand uns bevor, denn nun befanden wir uns auf dem Nordatlantik.

Bis zu den Bermudas hatten wir mit dem Wetter keine großen Probleme, außer das Klima immer rauer wurde. Auf den Bermudas erkundeten wir die Insel mit den Fahrrädern, besuchten die Hauptstadt Hamilton und holten aufgrund der schnellen Überfahrt Unterricht an Land nach.

Anschließend durchquerten wir in weiteren zwei Wochen den Nordatlantik und gerieten in einen Sturm, der zum absoluten Verschlusszustand führte. Für zwei Tage schlossen wir alle Bulleyes und Schlagklappen sowie die Schots. Auch das Wache gehen verlangte alles an Ausdauer und Konzentration ab. Doch nach diesen zwei Tagen zeigte sich der Nordatlantik von seiner anderen Seite und wir hatten wunderschönes Wetter bis wir bei den Azoren ankamen.

Endlich liefen wir im Hafen von Faial ein, dem internationalen Segelzentrum. Dort machten wir ein Whalewatching und sahen riesige Finn- und Pottwale. Auch wenn es nicht das erste Mal war, dass wir Wale gesehen haben, war es etwas ganz besonderes, diese Tiere aus solch geringer Entfernung von kleineren Booten aus zu sehen. Wir nutzten auch die guten Wetterbedingungen, um den höchsten Berg Portugals, den Pico, zu besteigen. Einen ganzen Tag waren wir unterwegs, um mit der Fähre auf die gleichnamige Insel Pico zu gelangen und diesen sehr steilen Berg zu besteigen. Nach insgesamt fünf Tagen auf den Azoren mussten wir aufgrund der passenden Windbedingungen bereits früher als geplant die Insel Faial verlassen und setzten die Reise mit unserer letzten Etappe fort. Das hieß, die Unterrichtphase von KUS war beendet und wir gingen wieder jeden Tag in voller Besetzung Wache.

Nach 13 Tagen erreichten wir Falmouth, dort, wo wir bereits sechs Monate vorher auch vor Anker gingen. Wir mussten dort Wasser und vor allem Diesel bunkern, da wir sehr viel verbrauchten. Die Fahrt durch den englischen Kanal konnten wir jedoch nicht lange fortsetzen, da uns extreme Strömung und Winde gegenan aufhielten. Daraufhin mussten wir ein weiteres Mal vor England ankern und um unser pünktliches Ankommen in Kiel bangen. Doch nach zwei Tagen hatten wir wieder Strömung aus der richtigen Richtung und mussten mit höchster Maschinendrehzahl durch den englischen Kanal und die Nordsee mit Maschinenunterstützung vorwärtskommen, bis wir doch noch pünktlich in Brunsbüttel einschleusen konnten. Einen Tag lang motorten wir durch den Nord-Ostsee Kanal, bis wir in Kiel-Holtenau ankamen. Dort lagen wir noch einen Tag vor Anker, um alle Segel hafenfein zu packen, die letzten Arbeiten fertig zu stellen und unsere ganzen Eigentümer in unsere See- und Rucksäcke zu verstauen. Am letzten Abend gab es ein traditionelles „Captain´s Diner“ und wir genossen unseren letzten gemeinsamen Abend auf unserem Zuhause auf Zeit, der „Thor Heyerdahl“, bis spät in die Nacht. Am nächsten Morgen ging es dann früh raus.

Ein letztes Mal wurde das Schiff geputzt und wir Schüler enterten ins Rigg auf. Dann war es soweit, das erste Mal nach sechs Monaten sahen wir unsere Eltern wieder. Die ganze Pier stand voller Menschen und wir wurden mit netten Plakaten empfangen. Nach der Begrüßung von den Eltern und dem Abschied der Besatzung stieg jeder in sein Auto und fuhr alleine einen anderen Weg.

Klassenzimmer unter Segeln war nun vorbei, doch die Erfahrungen und Erlebnisse sowie diese tollen Leute, mit denen man über ein halbes Jahr auf engstem Raum verbrachte, werden wir wohl alle nie vergessen.
Wir KUSis wissen jedoch, dass KUS nur der Anfang von etwas ganz Großem ist.

Martin Valentin (10a)

Die Vorbereitung - Der Probetörn des Projekts „Klassenzimmer unter Segel“

Sieben Monate nachdem ich das erste Mal vom KUS-Projekt gehört habe, stand ich schon in Sundsacker bei Winnemark neben der Projektleiterin Frau Dr. Ruth Merk. Als einer von 50 jugendlichen Bewerbern aus ganz Deutschland wurde ich zum Probetörn eingeladen um mich zu beweisen. Der Probetörn begann mit Frau Dr. Merks Vortrag darüber, auf was für eine Reise bzw. Abenteuer wir uns einlassen wollen. Sowohl der Unterrichtsplan auf der „Thor Heyerdahl“ als auch die Reiseroute, die über Teneriffa nach Panama und Kuba und von dort wieder über die Bermudas und die Azoren zurück nach Kiel führen wird, wurden angesprochen. Als die fünf Kuttergruppen mit je zehn Jugendlichen für die kommenden vier Tage bekannt gegeben wurden, haben diese gleich ihren Essensplan und ihre Nahrungsmittel organisiert. Die Essenspläne der Gruppen waren sehr vielfältig und reichten von Chili con Carne über Gemüseeintopf bis hin zu Pfannkuchen. Am Dienstag wurde es dann für viele, auch für mich, sehr aufregend, denn es war das erste Mal, dass wir die Segel setzen durften. Nachdem meine Kuttergruppe und ich aufgrund der Strömung beim ersten Versuch abzulegen, gegen die Poller getrieben wurde und wir anfangs ziemlich Probleme hatten, aus unserem Anlegeplatz herauszukommen, haben wir es bei dem zweiten Versuch letztendlich doch noch auf die Schlei geschafft.

Dort wurden uns die wichtigsten Begriffe sowie Funktionen des hochseetauglichen Kutters erklärt. Insgesamt sind wir vier Stunden die Schlei hoch und runter gesegelt, bis wir schließlich an einem kleinen Hafen in Lindaunis anlegten. Dort haben wir auf einer kleinen Wiese, unweit vom Hafen unser Tipi aufgebaut und anschließend auf den Trangia-Kochern unsere Pfannkuchen zubereitet. Nachdem wir diese genüsslich verzehrt hatten, mussten wir jedoch erst einmal die dadurch entstandene Sauerei vom Boden wegschrubben. Am nächsten Morgen waren wir dann durch die Nachricht, dass wir aufgrund des heftigen Windes nicht segeln können, enttäuscht. Nachdem wir am Vormittag nicht viel ausrichten konnten, haben unsere Skipper und Betreuer einen anderen Plan, nämlich eine Wanderung über Lindau, Lindaufeld, Lindauhof und Lindaukamp nach Kius organisiert. Dabei mussten die Gruppen verschiedene Aufgaben lösen und erfüllen. Während der Wanderung haben wir überflutete Bootstege, kleine Küken, sowie typisch norddeutsche Mühlen gesehen. Da wir nach diesem Tag sehr erschöpft waren und am nächsten Tag sehr früh raus mussten, sind wir relativ pünktlich zur Nachtruhe um 22 Uhr schlafen gegangen.

Am nächsten Tag wurden wir um 6 Uhr geweckt, weil wir pünktlich um 7:30 Uhr aus dem Sportboothafen ablegen wollten, um wie geplant, mittags wieder in Sundsacker anzukommen. Dies hat dann auch geklappt. Das Wetter auf dem Rückweg war blendend, wir hatten ausreichend Wind und fast wolkenlosen Himmel. Es bekam auch jeder von uns die Chance, das Ruder zu übernehmen und den Kutter zu steuern. In Sundsacker angekommen, konnte jede Kuttergruppe unter Beobachtung der Skipper und der jeweiligen Betreuer ein Spiel, in dem unter anderem die Teamfähigkeit getestet wurde, spielen. Am letzten Tag wurde uns dann die Packliste von Frau Dr. Merk vorgestellt und noch Tipps zum großen Törn gegeben. Ebenfalls wurde uns in einem Video veranschaulicht, dass die Atlantiküberquerung nicht immer ganz leicht ist, sondern wir auch in schwere Unwetter gelangen könnten. Nachdem uns auch die Gefahren dieser Reise näher gebracht worden sind, fanden die Einzelgespräche statt. Entweder bei Ruth, der Projektleiterin und Domi, oder Frank und Steffi, den Betreuern, die bereits auf einer vergangenen Reise dabei waren. Dort wurden uns grundlegende Fragen gestellt, z. B. was wir von dem Törn erwarten oder wie es mit der Finanzierung der halbjährigen Reise ausschaut. Nachdem alle das Interview hinter sich gebracht hatten, musste jede Gruppe ein Floß aus vier Tonnen, acht Holzbrettern und 15 Seilen für das anschließende Floßwettrennen bauen. Meine Gruppe und ich wurden dabei Erster. Nach dem Abschlussgrillen, was wirklich lecker war, fand unser bunter Abend statt.

Jede Gruppe sollte etwas vorführen, in dem unsere Erlebnisse des Probetörns erläutert wurden. Dies gelang jeder Gruppe äußerst gut. Dadurch gestaltete sich der Abend mit lustigen Sketchen sehr witzig und mit umgetexteten Liedern auch sehr emotional. Ebenfalls teilte uns Frau Dr. Merk mit, dass jeder von den 50 Teilnehmern zur Reise geeignet wäre, sie jedoch aufgrund der begrenzten Zahl der Teilnehmer am Haupttörn leider nur 34 Jugendliche mitnehmen können und dass sich diese Entscheidung als äußerst schwer herausstellen wird. Als krönender Abschluss fand nach dem gemeinsamen Abend auf der gegenüberliegenden Seite der Schlei ein atemberaubendes Feuerwerk statt, was diesen Probetörn emotional abrundete.

Zusammengefasst war diese Woche wirklich sehr schön und auch sehr spannend. Anfangs hat man gedacht, dass sich aufgrund des Konkurrenzkampfes und der kurzen Dauer des Probetörns nicht allzu gute Freundschaften bilden. Jedoch wurden wir alle vom Gegenteil überzeugt. Denn trotz der kurzen Zeit kannte man nun alle ganz gut und hat jeden ins Herz geschlossen. Der Abschied hat sich vor allem wegen der Ungewissheit, entweder nur einen Teil der Truppe oder keinen davon je wieder zu sehen, als sehr schwierig und traurig erwiesen. Doch auch die Entscheidung über Zusage oder Absage wird uns nicht für immer trennen, denn mittlerweile sind jetzt schon mehrtägige Treffen in den Sommerferien in Planung.

Martin Valentin (9a im Schuljahr 2013/14)