Die Geschichte des Gymnasiums (V)

Zwischen den Weltkriegen

Die Untersuchung der Jahresberichte des Jean-Paul-Gymnasiums zeigt zwei typische Phasen der schulischen Entwicklung im Dritten Reich: Bis 1936 finden die Anordnungen des Ministeriums Eingang in die Schulfächer und werden in Schulveranstaltungen umgesetzt. Hier ist der Einfluss vom Kultusministerium des Landes ersichtlich. Ab 1937 erfolgen dann die vom Reichsministerium herausgegebenen Reformrichtlinien für alle Schularten, die auch im Lehrbetrieb des Gymnasium berücksichtigt werden. Die nationalsozialistische Ideologie findet vor allem in den geisteswissenschaftlichen Fächern und der Biologie Eingang. Besonders der Deutschunterricht, aber auch die altphilologischen Disziplinen, stellten sich zum Teil in den Dienst der „neuen Bewegung“. Der völlig umgestaltete Geschichtsunterricht unterstützte sie dabei.

Es ist aber festzustellen, dass das Jean-Paul-Gymnasium kein „Werbeträger“ des Nationalsozialismus war. Die Jahresberichte zeigen eine - für die damaligen Zeitumstände - sachliche „Berichterstattung“ über Lehr- und Lernaktivitäten innerhalb und außerhalb der Schule. Man war bemüht, den geistigen Freiraum im Sinne humanistischer Bildungsziele zu nutzen. Vorwiegend völkisches, konservatives und deutschnationales Gedankengut prägen die Schule politisch; nationalsozialistische Ideologie konnte sich damit verbinden, aber nicht die Oberhand gewinnen. Aufsatzthemen, Berichte über Schulveranstaltungen und das religiöse Leben zeigen, dass pädagogische Freiräume vorhanden waren und genutzt wurden. Das Bemühen, in einer solch schweren Zeit die Werte des Humanismus zu vermitteln, ist klar erkennbar. Man kann als heutiger Zeitgenosse wohl schwer abschätzen, wie schwierig es unter den gegebenen Umständen war, die Inhalte abendländischer Kultur den Schülern nahe zu bringen.

Der von OStR Dr. R. Pohl für die Festschrift von 1996 geschriebene Text ist hier nachzulesen: