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Das Theater kommt in die Schule

Das Theater Hof war in letzten Monaten schwer gebeutelt: Nicht nur Corona, auch eine kaum bespielbare Schaustelle und ein Wasserschaden setzten der Theaterleitung, den Schauspielerinnen und Schauspielern heftig zu und bremsten ihren Spieldrang.

Deshalb war es unserer Schule ein besonderes Anliegen, Solidarität mit dem Theater zu zeigen, bei den Jüngsten Interesse zu wecken und es bei den Größeren aufrechtzuerhalten.

Den Auftakt machte die Mittelstufe mit dem Besuch von Aufführungen in der Woche vor den Osterferien. Für die neunte und zehnte Jahrgangstufe stand „Nathan 2.0“ auf dem Programm, ein einstündiges Zwei-Personen-Stück, das Marco Stickel, der Leiter des Jungen Theaters“ nicht nur inszenierte, sondern auch selbst geschrieben hatte. Bei „Nathan“ denken die Schüler freilich an Lessings Aufklärungsstück und sind zunächst verwundert, wenn zwei Knastbrüder Nachlässe verstorbener Mithäftlinge zu Tage fördern und dabei lockere Sprüche klopfen. Aber schließlich finden sie dabei auch einen Sammelband mit Lessing, „Alle Stücke“. Das liefert den Aufhänger für einen Schnelldurchlauf der Handlung des Toleranzdramas als Comicparodie und Maskenspiel. Da gehen Jörn Bregenzer als lässig-smarter Robert und Peter Kampschulte als gemütsmenschlicher Erwin hinter umgekippten Tischen in Deckung, von wo aus sie blitzartig auf- und wieder abtauchen. Vor die Köpfe schnallen sie sich skizzierte Pappgesichter der Rollen: reicher Kaufmann und tugendhafte Tochter, orientalischer Sultan und katholischer Patriarch, kreuzritterlicher Tempelherr, Derwisch, Mönch. Schnell und schnoddrig lassen sie sie alle parlieren, hibbelig in einem hippen Jargon, abgelauscht den Schulhöfen und Sammelpunkten der Kids von heute. Das spricht die Mittelstüfler an, lässt sie gebannt lauschen und danach eifrig diskutieren.

Am Tag darauf sind die Achtklässler zum Klassenzimmerstück „Kiwi on the rocks“ eingeladen. Die 14-jährige Kirsten Wittenbrink, Spitzname Kiwi, könnte eine von ihnen sein. sein. In einem facettenreichen Monolog von Daniel Rattheis lässt Theresa Sophie Fassbender Kiwis Leben Revue passieren. Es ist geprägt von Alkoholexzessen, Komasaufen von einer Party zur anderen, sexuellen Übergriffen, Filmrissen, die dann über Socialmedia verbreitet werden und Kiwi bloßstellen. Authentisch kommt sie herüber in ihrem Jugendjargon, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Bald schaukelt sie sich lässig hoch zum Größenwahn der Besoffenen, bald sinkt sie zusammen unter der Schwere ihres verkaterten Schädels und verstummt erbarmungswürdig in nackter Panik. Ein gutes Ende kann das nicht nehmen und die Katastrophe nimmt ihren Lauf. Das geht unter die Haut – und so verfehlt das Stück ganz ohne Bühnenbild und Requisiten seine Wirkung nicht.

Anfang Juni wird die Theaterreihe in der Unterstufe mit „Greta“ in der sechsten und siebten und „Warum schlafen Fische“ in der fünften Jahrgangsstufe fortgesetzt.


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