Zeitzeugengespräch am Holocaust-Gedenktag
Mina Gampel zu Gast am Jean-Paul-Gymnasium
Zum Holocaust-Gedenktag begrüßte das Jean-Paul-Gymnasium die jüdische Zeitzeugin Mina Gampel zu einem eindrucksvollen Gespräch mit der Schulgemeinschaft. Die heute 85-jährige Künstlerin und Dozentin tritt erst seit einigen Jahren öffentlich als Zeitzeugin auf. Zuvor habe sie bewusst jenen Überlebenden den Vorrang gelassen, die selbst in nationalsozialistischen Konzentrationslagern inhaftiert gewesen waren.
Bis heute ist Mina Gampel beruflich tätig und blickt auf ein vielschichtiges Leben zurück, in dem Kunst und Bildung eine zentrale Rolle spielten. Im Austausch mit den Schülerinnen und Schülern betonte sie die Bedeutung von Menschlichkeit, Liebe und einer bejahenden Haltung zum Leben. Die Offenheit und Nähe, mit der sie sprach, wirkte nachhaltig – viele Jugendliche suchten auch nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung das persönliche Gespräch.
Diese Haltung steht im Kontrast zu den Erfahrungen ihrer frühen Kindheit. Während der Flucht vor den Nationalsozialisten verlor Mina Gampel als Kleinkind drei Geschwister: Zwei von ihnen verhungerten infolge der katastrophalen Lebensbedingungen auf der Flucht, ein weiteres wurde von Wehrmachtssoldaten erschlagen. Aus ihrem Heimatort im heutigen Belarus überlebten nur sehr wenige jüdische Bewohnerinnen und Bewohner den Holocaust. Sie berichtete von den Massenerschießungen jüdischer Gemeinden während des deutschen Vormarsches in die Sowjetunion ab 1941, die als „verdeckter Holocaust“ bezeichnet werden und auch ihr Heimatdorf betrafen.
Darüber hinaus sprach Frau Gampel über Antisemitismus in der Nachkriegszeit sowie über die persönlichen und emotionalen Herausforderungen, 1967 in die Bundesrepublik Deutschland zu kommen. Besonders eindrücklich waren ihre Worte zum Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 auf israelische Zivilisten, der sie als Frau, die lange Zeit in Israel gelebt hat, tief erschütterte.
Das Zeitzeugengespräch verdeutlichte eindrucksvoll den Wert persönlicher Erinnerungen für historisches Lernen und gesellschaftliche Verantwortung. Die Begegnung mit Mina Gampel stellte für die Schulgemeinschaft einen nachhaltigen Beitrag zur Erinnerungskultur und zur Auseinandersetzung mit Geschichte, Verantwortung und Menschlichkeit dar.